Das kulturelle Erbe unserer Heimat bewahren
Dreifaltigkeitsbildstock von 1839 in Burggrumbach restauriert

Er gehört seit fast zwei Jahrhunderten zum Ortsbild von Burggrumbach: der Dreifaltigkeitsbildstock an der Ecke Austraße/Bergstraße. Witterung und Zeit hatten dem steinernen Denkmal jedoch erheblich zugesetzt. Nun erstrahlt der Bildstock aus dem Jahr 1839 wieder in neuem Glanz. Der Stein- und Kunstbildhauer Klaus Schneider hat das stark beschädigte Kleindenkmal fachgerecht restauriert und damit ein wichtiges Zeugnis der regionalen Frömmigkeits- und Kulturgeschichte bewahrt.

Dreifaltigkeitsbildstock von 1839; Foto: Irene Konrad

Auf den dringenden Restaurierungsbedarf aufmerksam geworden war der Kulturgeschichtliche Arbeitskreis. Für die Mitglieder steht dabei nicht allein die Erhaltung des religiösen Denkmals im Vordergrund. Bildstöcke sind weit mehr als historische Wegmarkierungen oder religiöse Darstellungen. Sie erzählen von der Lebenswelt früherer Generationen, von deren Glauben, Hoffnungen und Ängsten und sind eng mit der Geschichte eines Ortes und seiner Landschaft verbunden.

Gerade in Franken prägen Bildstöcke, Feldaltäre und andere religiöse Kleindenkmäler seit Jahrhunderten das Erscheinungsbild von Dörfern und Fluren. Ihre Errichtung hatte häufig einen konkreten Anlass: Sie entstanden aus persönlicher Frömmigkeit, als Dank für die Bewahrung vor Krankheit und Unglück, zur Erinnerung an Verstorbene oder als Ausdruck der Verbundenheit mit dem christlichen Glauben. Ihre Bildsprache eröffnet zugleich einen Einblick in religiöse Vorstellungen und gesellschaftliche Verhältnisse ihrer Entstehungszeit.

Dreifaltigkeitsbildstock von 1839 - Bildaufsatz; Foto: Irene Konrad

Der Burggrumbacher Bildstock verbindet zwei zentrale Motive der katholischen Volksfrömmigkeit: die Heiligste Dreifaltigkeit und die Verehrung Mariens. Darstellungen der Dreifaltigkeit – Gott Vater, Jesus Christus und der Heilige Geist in Gestalt der Taube – waren insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert weit verbreitet. Gott Vater wird häufig mit Weltkugel oder Zepter dargestellt, Christus mit dem Kreuz, während die Taube als Symbol des Heiligen Geistes über ihnen schwebt.

Eine besondere Bedeutung erhält der Burggrumbacher Bildstock durch das zusätzlich dargestellte Motiv der Krönung Mariens. Maria wird in der himmlischen Glorie zwischen Gott Vater und Jesus Christus gezeigt. Auf einer Wolke kniend, wird sie von der Dreifaltigkeit zur Königin des Himmels gekrönt. Gott Vater ist mit dem Zepter, Jesus mit dem Kreuz dargestellt; über ihnen schwebt die Taube als Symbol des Heiligen Geistes.

Das Motiv steht zugleich für die besondere Wertschätzung Mariens in der ländlich-bäuerlichen Bevölkerung Frankens. Die Marienverehrung war tief im religiösen Alltag verwurzelt und fand ihren sichtbaren Ausdruck in zahlreichen Bildstöcken, Kapellen, Prozessionswegen und Wallfahrten.

Auch in Burggrumbach erscheint dieses Bildthema an mehreren historischen Orten. Neben dem nun restaurierten Säulenbildstock von 1839 findet es sich am Bildstock Prozessionsaltar von 1761 am Dorfplatz sowie am Feldaltar von 1849 an der Straße nach Rimpar, der mit der Verehrung der Vierzehn Heiligen verbunden ist. Diese Kleindenkmäler machen damit deutlich, wie stark religiöse Vorstellungen einst den öffentlichen Raum und das Leben der Dorfgemeinschaft prägten.

Die Inschrift am Kapitell des restaurierten Bildstocks bringt dessen religiöse Botschaft unmittelbar zum Ausdruck: „Gelobt sei die heiligste Dreifaltigkeit.“ Auf dem Sockel ist zu lesen: „Dieses Bildniß wurde der allerheiligsten Dreifaltigkeit und der schmerzhaften Mutter Gottes zu Ehren errichtet 1839.“

Auch die Rückseite des Bildstocks widmet sich einem zentralen Motiv der Marienfrömmigkeit. Dort ist die Pietà dargestellt: Maria als Mater Dolorosa, als Schmerzensmutter, mit dem vom Kreuz abgenommenen Leichnam Jesu in ihren Armen.

Damit verbindet der Bildstock zwei Seiten der christlichen Heilsgeschichte: die Trauer und das Leid der Mutter angesichts des Todes ihres Sohnes auf der einen Seite und die Hoffnung auf die himmlische Herrlichkeit auf der anderen. Die Darstellung der Krönung Mariens verweist auf ihre Aufnahme in den Himmel und damit auf die Überwindung von Tod und Leid.

Die Vorstellung von der Aufnahme Mariens in die himmlische Herrlichkeit reicht weit in die Geschichte des Christentums zurück. Was in der Volksfrömmigkeit bereits seit vielen Jahrhunderten eine zentrale Bedeutung besaß, wurde von der katholischen Kirche erst 1950 mit dem Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel verbindlich verkündet. Die Lehre unterstreicht zugleich die besondere Verbindung zwischen Maria und ihrem Sohn: Beide werden nicht allein als geistig fortlebend verstanden, sondern als leibliche Menschen in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen.

Der restaurierte Dreifaltigkeitsbildstock ist damit nicht nur ein religiöses Denkmal, sondern zugleich ein Stück Burggrumbacher Heimatgeschichte. Solche Kleindenkmäler verleihen Dörfern und Fluren ihr unverwechselbares Gesicht. Sie erinnern an vergangene Lebensformen, an Bräuche und religiöse Vorstellungen und machen Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar.

Die Arbeit des Kulturgeschichtlichen Arbeitskreises wird deshalb auch künftig darin bestehen, solche Zeugnisse der Heimatgeschichte zu dokumentieren, zu bewahren und für kommende Generationen sichtbar zu halten.
Im Herbst soll der restaurierte Bildstock im Rahmen einer Feierstunde offiziell gesegnet werden.

Von Günter Dusel für den kulturgeschichtlichen Arbeitskreis Burggrumbach